Ein Monat ist seit dem verheerenden Erdbeben nun vergangen, infolge dessen die WSPA mit der ARCH-Koalition unverzüglich nach Haiti eilte, um Nothilfe für die Tiere zu leisten. Bis heute halten wir an unserer Mission fest, gemeinsam die Lebensumstände der haitianischen Tiere zu verbessern. Die wunderbare Unterstützung, die uns von allen Seiten erreichte, hat uns nur noch weiter angetrieben.
Ich erreichte Haiti sechs Tage nach dem Erdbeben und obwohl ich bislang mit der WSPA schon in 36 Katastrophen involviert war, traf mich die enorme Zerstörung auf Haiti ganz unvorbereitet. Meine früheren Erinnerungen an die Stadt Port-au-Prince sind das, was mir bleibt.
Als ich nach Haiti kam, um die Ausmaße des Erbebens zu begutachten und deren Einfluss auf die Tierwelt, sah ich nur wenige Unterschiede zu dem Haiti, das ich aus meinen Erinnerungen kannte – bis wir das Epizentrum des Bebens erreichten: Die Menschen leben jetzt in regelrechten „Zelt-Städten“, sie flehten uns verzweifelt um Nahrung und Hilfe an. Die menschliche Seite der Katastrophe hat mich tief berührt. Aber was mich antreibt, mit meiner Arbeit weiterzumachen, ist das Wissen, dass mein Einsatz sowohl Mensch als auch Tier zugute kommt – in dieser und auch jeder anderen Katastrophe. Egal, wie schlecht ich mich dabei fühle.
Nachdem unsere Bestandaufnahme beendet war, verließ die WSPA Haiti vorerst wieder, um langfristige Pläne auszuarbeiten. Unsere ARCH-Partner blieben jedoch vor Ort, um mit einem 8-Personen-Team Nothilfe für die Tiere zu leisten. Dieses Team bestand aus ausgebildeten Fachkräften, die unermüdliche Versorgungsarbeit leisten.
In den letzten Wochen war unser ARCH-Einsatzteam von Ort zu Ort gereist, um die Tiere zu impfen und zu entwurmen sowie weitere Behandlungen durchzuführen. Unsere Partner von IFAW, SODOPRECA und Best Friends waren bei dieser Gemeinschaftsaktion eingebunden und arbeiteten Tag und Nacht. Die Zusammenarbeit zwischen den Tierschutzorganisationen war grundlegend, um die Bedürfnisse der Tiere in Haiti zu erfüllen. Bislang hat dieses engagierte Team fast 2.000 Tieren helfen können.
In einem vorangegangenen Artikel haben wir die mobile Tierklinik erwähnt, welche die Antigua and Barbuda Humane Society bereitgestellt hat. Sie werden sich gefragt haben, was damit geschehen ist: Diese Woche erreichte die mobile Tierklinik die Dominikanische Republik per Schiff. Dr. Sergio Vásquez, Tierarzt des WSPA-Katastrophenhilfe-Teams, ist nun vor Ort, um den Transport der Klinik und auch die Beschaffung von Medizin und weiterem Equipment zu organisieren.
Die mobile Tierklinik durchläuft gerade den Zoll und wir erwarten eine Freigabe innerhalb der nächsten Tage. Wir sind bemüht, die Klinik zum Ende der nächsten Woche nach Haiti zu bringen. Wenn sie eingetroffen ist, werden wir uns darauf konzentrieren, weitere Impfungen durchzuführen, um den Ausbruch von Seuchen in Port-au-Prince zu vermeiden.
WSPA und ARCH haben sich die Lösung zweier Aufgaben zum Ziel gesetzt: Zuerst muss natürlich auf die momentanen Auswirkungen der Katastrophe reagiert werden. Außerdem möchten wir aber auch an einer besseren Zukunft für Haitis Tiere arbeiten.
Mit dem Zusammenbruch der Stadt ging der Zusammenbruch des tierärztlichen Systems einher. Unsere Aufgabe in Haiti ist somit auch, die tierärztliche Infrastruktur im Land wieder aufzubauen und ein Bewusstsein für die Bedürfnisse der Tiere zu verbreiten.
Während ich dies schreibe, ist Gerardo Huertas, Direktor der WSPA-Katastrophenhilfe für Amerika, in Haiti und erarbeitet mit der Regierung einen Plan für die langfristige Versorgung der haitianischen Tiere. Ein solcher Plan ist besonders wichtig und die Grundlage für das Tierwohl in Haiti. Wir planen mehr als eine Million Dollar dafür auszugeben und hoffen, dass er von Erfolg gekrönt sein wird. Wie Sie sich sicher vorstellen können, brauchen solche Dinge aber Zeit, vor allem in einem zerstörten Land, dessen Regierung nicht einmal mehr über Büro-Gebäude verfügt.
Unsere Arbeit in Haiti schreitet voran, aber es sind die langfristigen Ziele, die wir im Auge behalten müssen. Wir werden weiterhin mit der haitianischen Regierung zusammenarbeiten, aber auch mit den haitianischen Tierärzten und den Menschen, sodass die Tiere in Haiti ein besseres Leben bekommen. Hoffentlich schaffen wir es, dass Haiti nach unserer Zusammenarbeit genügend Kenntnisse und Ressourcen zur Verfügung hat, um sich selbst um seine Tiere zu kümmern – lange nachdem die WSPA nicht mehr vor Ort ist. Dann hätten wir unser Ziel erreicht.
Wir bedanken uns ganz herzlich für die Unterstützung unserer vielen Helfer, die es uns ermöglicht haben, in nur einem Monat so viel zu erreichen. Es liegt zwar noch viel Zeit und Arbeit vor uns, aber Ihre Unterstützung hilft uns sehr.
