Durch das Unwetter „La Niña“ erlebte Kolumbien 2010 das schlimmste Hochwasser der letzten 40 Jahre. Städte und Provinzen wurden fast vollständig überflutet.
Das in Kolumbien stationierte WSPA-Team half aktiv bei Rettungseinsätzen an vier Standorten, einschließlich der Randbezirke von Bogota. Nach ein paar Tagen Pause wendete sich unser Team der Nordküste des Landes zu. Dort verharren immer noch tausende Tiere, die dringend Hilfe benötigen.
Ricardo Jimenez von WSPA Südamerika sendete uns diesen Bericht aus der nördlichen Provinz Atlántico: „Nach unserer Arbeit im ländlichen Landesinneren war es uns wichtig, auch den Tieren in Atlántico zu helfen. Durch einen Deichbruch wurden hier fünf Stadtbezirke von einem Fluss überschwemmt.
Ein Katastrophenhilfeteam mit WSPA-Mitarbeitern und Tierärzten unserer Mitgliedsorganisation Veterinären Notfall Team (VERU) wurde nach Atlántico geflogen. Im Gepäck waren Futter, Impfstoffe und Veterinärausrüstung. Nach Santa Lucia mussten wir in einem Militärboot fahren, die Stadt ist auf dem Landweg vom Flughafen aus nicht mehr erreichbar.
Einige verwüstete Stadtbezirke hatten große Probleme mit streunenden Hunden. Ich sah zahlreiche Hunde überall in den Zeltstädten und am Wegesrand. Die Menschen dort haben selbst nicht genug Nahrung und sind nicht in der Lage, auch noch für die Tiere zu sorgen.
In Santa Lucia wurden wir herzlich aufgenommen und begannen sofort mit der Fütterung. Es war unglaublich, als wir das Trockenfutter auspackten, kamen sofort zehn Hunde angelaufen. Wir wussten, dass noch viel mehr Tiere da waren. Die Hunde waren so hungrig, dass sie das Futter gegen Artgenossen verteidigten. Sie wussten ja nicht, dass wir genug für alle dabei hatten.
Wir fütterten alle Hunde. Herrenlose Hunde nahmen wir zur medizinischen Behandlung in unseren Stützpunkt mit, die meisten waren relativ gesund. Die Mitarbeiter der nationalen Gesellschaften begannen gleich mit der Suche nach geeigneten Pflegeplätzen.
Die Not aller Tiere in der Stadt war groß. Am zweiten Tag mussten wir auch Futter und Medizin für Schweine und Geflügel besorgen. Die Tiere hatten begonnen, das Hundefutter zu plündern. Es war erstaunlich wie die kleineren Schweine versuchten, sich ins Rudel der Hunde einzufügen. Außer am Hunger litten viele Hunde und Katzen vor allem an Hautkrankheiten, Parasiten, Bisswunden oder Knochenbrüchen. Alle Verletzungen wurden von unserem Team medizinisch behandelt.
Die WSPA hat bis heute etwa 3.000 Tieren geholfen: Hunden, Katzen, Schweinen, Ziegen, Rindern und Geflügel. Glücklicherweise ist nicht nur die WSPA vor Ort, tierfreundliche Menschen finden sich hier überall. Örtliche Gesellschaften organisierten Helfer, die mit der WSPA die notleidenden Tiere versorgten.
Ich muss das Gebiet jetzt verlassen, aber das WSPA Team wird dort weiterhin die Not der Tiere lindern. Eine Not, die paradoxerweise durch den gleichen Fluss entstand, der die Existenzgrundlage für die Bevölkerung und für die Tiere bedeutet."

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