Ich bin auf dem Weg zurück ins Büro. Die letzten zehn Tage habe ich im Katastrophengebiet im südlichen Argentinien verbracht, als Teil eines WSPA Hilfsteams.
Ich verlasse die aschgraue Landschaft, die der Vulkan hinter mir geschaffen hat. Ich weiß aber, dass unsere Hilfsarbeit bis zum Ende des Winters weitergeht. Mehr als 150.000 Tiere in Not werden effektiv vor Hunger und Krankheiten geschützt.
In den letzten Tagen haben wir 28.000 Kilo Schafs- und Ziegenfutter (sog. Luzernen-Pellets, mit Mais angereichert) verteilt. Es sind Notfallrationen für Kleinbauern in den ländlichen Gebieten der Stadt Jacobacci. Jacobacci wurde am stärksten von der letzten Eruption getroffen. Wir haben die Tiere dort auch gegen Enterotoxämie geimpft, denn eine Veränderung ihrer Ernährung macht sie anfällig für diese Krankheit. Besonders abgemagerten Schafen wurden zusätzlich Vitaminspritzen mit Calcium und Traubenzucker gegeben. Sie kommen damit wieder zu Kräften und schaffen es über diese schwierige Zeit.
Unsere Tierärzte haben viele Arbeitspferde und Hütehunde entwurmt und gründlich auf Verletzungen, Augenreizungen und Atemwegserkrankungen überprüft.
Bei meinem letzten Besuch auf den Bauernhöfen traf ich Alejo, dessen einzige Einnahmequelle seine Schaf- und Ziegenherden sind. Sein eigenes Haus ist ebenso winzig wie das Gehege für seine Tiere. Allerdings können die Tiere den ganzen Tag auf den weiten Feldern umherstreifen, während er und seine Frau die meiste Zeit drinnen sind. Es ist einfach zu kalt. Sein Brunnen liefert nicht genug Wasser, weder für ihn, noch für seine Tiere.
Alejo hat in den letzten Monaten viele Tiere verloren. Da er kein Geld für Futter hatte, hat er sie nach dem Vulkanausbruch weiter auf den Feldern grasen lassen. Dadurch haben sie so viel Asche aufgenommen, dass diese ihren Magen verdichtet hat und sie daran verendet sind. Andere Tiere musste er auf den Schultern nach Hause tragen, weil sie zu schwach waren, um alleine zu gehen.
Alejo war glücklich, als am Nachmittag unser Katastrophenhilfe-Team bei ihm ankam. Seine Tiere wurden gefüttert, getränkt, mit Vitaminen versorgt. Sie haben sich geradezu auf das Essen gestürzt! Ich war an diesem Nachmittag ebenfalls sehr glücklich. Alejo mir als Dankeschön die herzlichste Umarmung gegeben, die ich in letzter Zeit bekommen habe.
Weitere fünf Lastwagen mit Nahrungsmitteln werden in den nächsten Wochen eintreffen. Futtersäcke werden an Kleinbauern wie Alejo verteilt. Dies übernehmen das Jacobacci Notfall-Komitee und unser Partner, der National Agriculture Technology Institute (INTA). Die Nachbargemeinde Comallo wird auch davon profitieren. Die WSPA verteilt ebenfalls große Mengen an Impfstoffen für die Tiere. Ich weiß, dass meine Arbeit hier den Tieren tatsächlich geholfen hat. Sie werden die harte Regenerationsphase durchstehen, die jetzt vor ihnen liegt.
Ich bin sehr müde und träume nachts noch immer von Asche,
Ricardo